Wochenendseminar der etwas anderen Art

Ein ganzes Wochenende lang lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Funktionsweise einer Trenntoilette auf dem Fixenbauernhof kennen.

Das Ziel einer Trockentoilette ist natürliche Ressourcen zu schonen und Wasser so wenig wie möglich zu verbrauchen. Hygienisch keimfrei muss  sie sein, keine Gerüche bilden und fliegenfrei soll sie auch noch sein. Mit Plumsklo von früher hat die moderne Komposttoilette nichts zu tun. Das neue "alte" System wurde verfahrenstechnisch so weiterentwickelt, dass sie problemlos in der heutigen Zeit eingesetzt werden kann. Harald Wedig, Permakultur-Designer kam extra aus Bad Kreuznach angereist um den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Schweighausen fachlich zur Seite zu stehen und tatkräftig mitanzupacken.

"Und wie funktioniert nun diese Art von Toilette ? "

"Wir wollen uns die Natur zu Nutze machen und trotzdem auf den Luxus, den wir brauchen nicht verzichten. Wir wollen ja nicht zurück ins 19. Jahrhundert. Das Kompostklo ist Teil der Permakultur, alles was uns die Natur gibt, wollen wir der Erde  zurück geben, ansonsten haben wir das Prinzip der Ausbeutung. Und bei 7 Milliarden Menschen kann man sich ausrechnen wohin das führt." Mit diesen Worten führt uns Harald Wedig in das zweitägige praktische Seminar ein. " Unser Körper trennt Kot und Urin klug voneinander, sonst würde der Gärungsprozess schon im Körper los gehen."

Aus diesem Grund werden mit einem speziellen Trenneinsatz, wie man es im linken Bild sieht, Kot und Urin während des Ausscheidungsvorganges voneinander getrennt, um den Gärungsprozess und den damit verbundenen Gestank zu verhindern.


Und was hat das alles mit Holzkohle, Sägespänen,  Zucker und Joghurt zu tun ?

Mit einfachen Worten hat Harald Wedig für alles eine Erklärung: 

"Die Holzkohle ( Bild rechts )  wird mit den Sägespänen vermischt ( Bild mitte ) in einen kleinen Eimer neben die Toilette gestellt. Unter den Toilettenring wird eine Tonne gebaut, der Urin läuft seperat davon durch einen Schlauch in einen Kanister. Der Stuhlgang wird mit einer Schaufel voll Sägespäne-Hozlkohlegemisch abgedeckt. So bleibt alles gleichmäßig trocken und weil kein Wasser dazu kommt stinkt es nicht. Die Holzkohle bindet die Giftstoffe, Krankheitserreger und Gerüche. Nach zwei Jahren Kompostierung bildet sich wunderbarer Humus, der sich prima zur Düngung von Sträuchern oder Obstbäumen verwenden lässt.

Der Vorteil ist, der Erde werden Mineralien und Spurenelemente, besonders Selen zurück gegeben, die sonst in den Gewässern mit allen Krankheitserregern und Giftstoffen landen. Die Erde wird weltweit um wichtige Nährstoffe betrogen und die Gewässer durch die Schadstoffe der Kläranlage belastet.

"Und was ist mit dem Joghurt und dem Zucker ?"

Auch dafür hat Harald Wedig eine Erklärung. " Wir brauchen Mikroorgansimen, um die Gerüche zu binden und gesundheitsschädliche Erreger zu bekämpfen. Mikroorgansismen kann man als EM ( Effektive Mikroorganismen ) -Kulturen kaufen oder mit Naturjoghurt und Zucker selbst herstellen, dabei werden die Milchsäurebakterien in organische Substanzen umgewandelt, es wird kein Ammoniak freigesetzt, sondern CO².

 

Der Aufbau der Kompostieranlage wird am zweiten Tag des Seminars erklärt:

Die mit trockenem Material gefüllte Tonne wird an einem zugewiesenen Platz ausgeleert und mit dicken, alten Teppichen, Gras oder Stroh abgedeckt und zwei Jahre sitzen gelassen. Um mit einem reinen Gewissen den Kompost der Erde zuzuführen, ist es wichtig das Gesundheitsrisiko zu minimieren. Darmparasiten, die im menschlichen Kot vorkommen können, werden vom kleinen, roten Mistwurm ( Eisenia foetida ) gefressen. Dieser rote Mistwurm ist auch ein praktischer Nützling im Misthaufen. Durch die hohe Verrottungsphase von 70°C sterben viele ab.  Der kleine Akteur zerlegt sogar Antibiotika und Kokain im menschlichem Kot.




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