Waldgeschichten

Mit Gerhard durch unseren Wald zu gehen, ist wie Geschichten erzählen.

Sobald wir an dem Steinhaufen angekommen sind, sagt er: " Wenn de ald Stroßewatt noch lebe würd, hätt er gsaid, hier hän mol d`  Kelte ghuust. Und weisch was, mir gehts bal genauso, hinter jedem Schdai seh ich ä

G` schicht. "

 

"Schau mol: Wie kunnt des Loch do nii ?"

Dann sagt er: " Hier ist doch allerbeste Lage, guten Überblick, viel Sonne, Wärme und Wasser hätten die Kelten hier auch gehabt. Also ich kann mir das gut vorstellen."

So leicht hat er es mit mir nicht. Ein Steinhaufen im Wald kann ja alles mögliche bedeuten. Vielleicht kommen die vom 16. Jahrhundert, es gab ja schon viele Kriege in unserer Geschichte.

Wir wissen es nicht und gehen weiter.

"Schau mal" sagt Gerhard: " Wie sich der Wald von alleine aussämt, wenn wir ihn lassen. Jetzt sind die Fichten, Kiefern und Buchen schon drei Jahre alt und sind von ganz alleine aufgegangen. In hundert Jahren ist es dem Wald egal, ob wir die Pflanzen fünf Jahre früher setzen oder ob die von alleine kommen. Was sind schon fünf Jahre für den Wald ?"

Kleines Stück weiter sagt er: " Hast du das gesehen ? " Ist doch tatsächlich ein Reh in unserem Christbaumgehege. Ich sehe natürlich nichts und diskutiere noch mit meinem Mann, dass der Zaun für die Rehe zu niedrig ist.

 

"Sei mal still" ruft Gerhard.  "Ein riesen Wildschwein. Riechst du es nicht ? Die verkriecht sich bestimmt, um zu Frischen."

OH MANN, im Wald bin ich einfach nur blind. Ich sehe nichts und ich höre nichts.

Bei unserer großen Buche angekommen wird Gerhard auf einmal richtig sentimental.

"Die lebt auch nicht mehr lange. Den nächsten Sturm überlebt sie nicht. "

 

Die große Buche ist unser Wahrzeichen in unserem Wald.

Sie war immer Treffpunkt und Mittelpunkt unseres Waldes. Es sind Herzen eingeritzt mit Initialen, die schon ganz weit oben sind oder Zeichen aus dem letzten Weltkrieg. Unsere Buche kann wirklich Geschichten erzählen. Sie war schon immer da. Jahrhundertelang. Sie war wichtig im Leben meines Mannes als er noch Kind war und von unseren Kindern auch.

Die große Buche wird mir fehlen, wenn es sie mal nicht mehr gibt.

 

Unglaublich, wie man sein Herz an Bäume oder Pflanzen verlieren kann.

Jetzt sind wir an der höchsten Stelle unseres Waldes angelangt auf 450 ü.d.M.

Wir haben Blick auf den Hühnersedel und sehen das Windrad vom Weißmoos.

Hier ist es einfach nur schön, besser als jeder Urlaub.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Udo Fischer (Mittwoch, 14 Februar 2018 08:37)

    Waldgesxhichte

  • #2

    Melanie Weber (Donnerstag, 01 März 2018 15:06)

    Hallo Melanie,
    Eure Waldgeschichten gefallen mir sehr gut :). Dass Du im Wald nichts hörst und siehst, stimmt doch
    gar nicht: Dir ist z.B. aufgefallen, dass die Liebesbotschaften in Eurer Buche immer weiter nach oben
    wandern - ein schöner Gedanke...Wenn Stefan und ich durch den Wald gehen, kann es passieren, dass er fragt: "Hörst du das?" Ich höre natürlich nix. "Na, die Ruhe! Aber die kannst du halt nicht
    hören, wenn du so viel quasselst." Es ist schon so - sobald ich in Bewegung bin, geht mein Mundwerk. Darum merke ich erst sehr spät, dass Stefan nicht mehr knapp hinter mir ist, denn er
    antwortet nicht, weil sein Kopf mal wieder in irgend einem Erd- oder Was-weiß-ich-Loch steckt, um
    zu forschen...Ich dagegen sammle alles Mögliche vom Boden auf. Skurril geformten Ästen oder
    Holzstücken kann ich einfach nicht widerstehen. "Wie ein zehnjähriger Junge, der Stöckchen sam-
    melt!"
    Natur ist wohl für jeden etwas anderes. Wichtig ist, dass man sich in ihr aufhält, sie genießt und
    wahrnimmt.
    Weiterhin interessante und spannende Luftschnappigkeiten in Eurem Waldstück wünsche ich Euch
    und viele liebe Grüße von Papier-Melanie an Seifen-Melanie ;).

  • #3

    Melanie Göppert (Donnerstag, 01 März 2018 15:31)

    Liebe Melanie, da hast du wirklich Recht, Wald bedeutet für jeden etwas anderes.
    Vielen Dank für deine Waldgeschichte, freut mich sehr, dass du uns an eurem Waldspaziergang teilhaben lässt. Natur ist einfach das Beste was es gibt und wir im Tal haben sie direkt vor der Tür. Ich wünsch dir eine schöne Zeit, bis wir uns auf dem Mittelaltermarkt auf` m Geroldseck wieder sehen. Liebe Grüße Melanie